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Fernwandern mit leguano classic – mein vielseitiger Begleiter auf dem camino de la costa

920 Kilometer von Saint Jean de Luz nach Santiage de Compostela, anschließend weiter zum „Kilometer Null“ nach Fisterra.

Da dachte ich doch echt, ich könne barfuß entlang der Atlantikküste von Frankreich bis ans Ende der Welt gehen. So ist das manchmal mit dem Denken: es geht leichter, wenn man das Wichtige ausblendet. Nun sollte es dennoch so kommen, dass ich meinen Rucksack mit lauter Gelump von Anno 1800 und je ein Paar leguanos (Modell classic), Vivos, Chalas sowie alte runtergelaufene Adidas Laufschuhe packte. Diese vier Paar Schuhe und etwa 920 Kilometer Strecke von Saint Jean de Luz nach Santiage de Compostela, anschließend weiter zum „Kilometer Null“ nach Fisterra (Cap Finisterre).

leguanos sind wirklich Wellness für die hart arbeitenden Füße

Was kann ich im Nachhinein sagen? Mit drei Paar Schuhen wäre ich auch ans Ziel gekommen. Die Chalas habe ich ganz am Ende kurz aufn Feierabend getragen, um sie nicht grundlos dabei gehabt zu haben. Ansonsten schätze ich das Trageverhältnis wie folgt: 60% Adidas, 35% leguanos und 5% Vivos. „Entlang der Küste“ war schließlich doch nicht so natürlich und romantisch, wie es klingen mag, denn größtenteils verlief der Weg auf Straßen und anderweitig asphaltierten Wegen.

Bedenkt man, dass Straßen für den schnellen, rollenden Verkehr gebaut wurden und dies mit des Menschen natürlichen Laufuntergrunds nichts zu tun hat, lässt sich daraus leicht ableiten, dass das Barfußlaufen auf Asphalt dem Körper sehr bzw. zu viel abverlangt und eher Schaden anrichtet, als Gutes zu tun. Demnach habe ich in Anbetracht der Gesamtstrecke und der dafür erforderlichen körperlichen Fitness und Gesundheit auf den harten Untergründen auch auf die Adidas zurückgegriffen. Die leguanos kamen allerdings auch dort hin und wieder zum Einsatz, denn der untertägige Schuhwechsel war ein Fünkchen Wellness für die hart arbeitenden Füße. Vorwiegend trug ich sie allerdings auf den Wald- und Wiesen, sowie Sand- und Schotterstrecken.

Barfußläufer sind auf dem Jakobsweg immer noch eine Seltenheit

Schon die ersten Begegnungen in einer Herberge kurz vor San Sebastian zeigten, dass Barfußläufer auf dem Jakobsweg eine Seltenheit sind. So traf ich zwar den Franzosen Bruno, dem Barfußschuhe zwar geläufig sind, selber diese aber nur Indoor trägt und draußen auf die Wanderschuhe zurückgreift. Ansonsten wurde ich mit viel Unglaube und Neugier beäugt und hörte mir Geschichten über müde, kaputte Füße, viele Blasen und schwerem Gepäck an. So war ich mit vier Paar Schuhen allein schon wegen der Menge ein Exot; auch waren mir Blasen gänzlich fremd und mein vergleichsweise kleines Gepäck in einem 33L Rucksack mit ca. 10kg sorgte für fragende Blicke seitens anderer Wanderer aller Nationen. Die Müdigkeit blieb mir aber natürlich nicht erspart, denn die neue Beanspruchung der Füße macht sich unabhängig vom Schuh bemerkbar.

Selbst Pilger auf der Überholspur hielten kurz inne, um mich nach den leguanos zu fragen

So konnte ich fleißig über leguano und das Wandergefühl in Barfußschuhen berichten: Über positive Nebeneffekte wie das leichte Gewicht am Fuß, das ein erheblicher Unterschied zum schweren, steifen Wanderschuh  darstellt oder die geringe, flexible Größe, die sehr dankbar für das Packmaß ist. Zudem brauchte ich mir nie Sorgen um zu große Einsamkeit oder fehlende Gesprächsthemen machen, die mir von der Neugier meiner Mitpilger genommen wurden. Gleichzeitig blieb es nicht aus, sich mit jenen besonders gut zu verstehen, die ihre eigenen Erfahrungen im Barfußlaufen mitbrachten.

Mein Vergleich: Welcher Schuh für welche Strecke?

Jetzt erlauben die Länge und Beschaffenheit der Strecke, die Dauer der Reise und die verschiedenen Wetterlagen einen optimalen Vergleich zwischen meinem leguano, Vivobarefoot Primus lite sowie, aus Beobachtung,  Manus Vibram FiveFingers.

Sohle: Die Sohle der leguanos ist etwas dicker und weicher als die der Vivos, sodass ich erstere hin und wieder auf dem Asphalt tragen und einige Kilometer gehen konnte. Die Vivos musste ich zwingend auf weichem Untergrund tragen, da die Belastung durch die Stöße für Füße und Gelenke durch die dünne 3mm Sohle zu hoch war. Hier dämpft der leguano noch ein wenig mehr, das man je nach persönlichem Ziel positiv oder negativ sehen kann. Wer möglichst schnell und natürlich barfuß unterwegs sein möchte, dem sei zur dünneren Sohle geraten. Wer aber stundenweise in der Stadt auf asphaltierten Fußwegen unterwegs ist, dem taugen die gedämpften Sohlen womöglich mehr. Die FiveFingers haben je nach Modell unterschiedlich dicke Sohlen, dienen aber durchaus für Wanderungen und Spaziergängen längerer Strecken.

Wasserdichtigkeit: Des Weiteren sei zu sagen, dass weder leguano noch Vivo wasserfest sind, wobei die Sohle beider einiges abhalten und Minipfützen problemlos überstehen. Aber oberhalb der Sohle lassen beide Wasser durch. Da kann der FiveFinger nicht mithalten, da hier Flüssigkeiten auch von unten in den Schuh eindringen. Die Füße werden also immer nass und da frag ich mich schon nach der Tauglichkeit für die Natur. Die ernsthaften Sportler gehen ja nicht nur bei Sonnenschein vor die Tür.

Obermaterial: Die Vivos sind mit einem festeren Material ausgestattet und fühlen sich für mich im nassen Zustand etwas unangenehmer an als ein leguano, der sich dem Fuß anschmiegt und durch die Körperwärme recht schnell trocknet. Zum Material der FiveFingers habe ich mich bereits im letzten Artikel geäußert. Es ist so fest, dass es sich nicht dem Fuß bzw. der Zehenform anpasst, sondern die Füße in den Schuh passen müssen. Das sehe ich als sehr nachteilhaft. In leguano und Vivo passt jeder Fuß, da der Stoff ersterer flexibel und der Platz im zweiteren ausreichend und der natürlichen Fußform angepasst ist. Das festere Material der FiveFingers wie auch Vivos ist undurchlässig, also Fieslinge wie Dornen oder Glas und Konsorten müssen draußen bleiben. Da schafft es eine kleine Klette schon mal, den leguano-Träger zu ärgern, da diese nicht nur den Fuß pieksen, sondern auch noch fest am Schuh kletten und dementsprechend schlecht zu entfernen sind.

Fußklima: Ansonsten empfinde ich die Vivos als luftiger, während die leguanos Wärme speichern und eine wohlige Temperatur am Fuß entwickeln. Deshalb lass ich die Vivos bei niedrigeren Temperaturen auch eher stehen und greife gerne zu den leguanos. Die haben sich bei Kälte schon sehr bewährt. Mit einem zweiten Paar Socken kann man hier sogar noch paar Grad rausholen. Und bei Nässe im Winter kann man auch auf wasserfeste Socken zurückgreifen um den Fuß trocken und warm zu halten. Das ist sicherlich auch dienlich, um sich vor Erkältungen zu schützen. Im Sommer verhält es sich umgekehrt. Die leguanos speichern unter Umständen so viel Hitze, dass es für den Fuß unerträglich wird. Hier werde ich künftig auf helle Farben und die Sneaker-Variante zurückgreifen.

Und ein letzter schöner Nebeneffekt, den ich hier erwähnen möchte, der leguanos ist, dass man in Sand und Erde eindeutige Spuren hinterlässt und man so praktisch nicht verloren gehen kann, auch wenn man sich mal verläuft: ein Phänomen, das auf dem Jakobsweg hin und wieder vorkommt.

Fazit: In Summe kann ich sagen, dass man nach einiger Zeit und wachsender Erfahrung unterschiedliche Vor- und Nachteile verschiedener Modelle feststellt. Ich sehe es daher als günstig, sich breit gefächert auszustatten, um den unterschiedlichen Anforderungen gewappnet zu sein.

Ich werde demnächst mit Manu den Israel National Trail wandern. Auf dieser Wanderung sind ausschließlich leguanos an Bord. Uns erwarten fünf Wochen bei 15 bis 20°C über Berge, durch kleinere und größere Ortschaften, durch den Wald und am Strand. Mit dem Zelt ausgestattet, sind wir frei in Tages- und Streckenplanung und offen für spontane Abstecher. Die beste Voraussetzung für viele Erlebnisse, wertvolle Erinnerungen und besinnliche Tage um das Jahr ausklingen zu lassen. Und nun wünsche ich auch euch eine gute Zeit. Bis zum nächsten Mal.

Bea

Weiterer Bericht zur Nordroute: Mit leguano Barfußschuhen 600 Kilometer auf dem spanischen Küstenweg

Bildnachweise: © Manuel Janker