„Wer sich einen entscheidenden Vorteil im Vergleich zur Konkurrenz verschaffen will kann nur den Weg über die natürliche Bewegung gehen – das Barfußspielen.“

myTischtennis.de: Was lässt sich grundsätzlich zur Beweglichkeit des Menschen sagen?

Helmuth Ohlhoff: Der menschliche Körper ist von seiner Struktur und seinen Bewegungsmöglichkeiten nur auf eine Geradeausbewegung eingerichtet. Das Kurvenlaufen ist exakt nur bei größeren Radien machbar. Seitwärtsbewegungen wie insbesondere beim Tischtennis sind für den Menschen unnatürlich und mit hoher Verletzungsgefahr verbunden.

myTischtennis.de: Seitwärtsbewegungen sind im Tischtennis natürlich unverzichtbar…

Helmuth Ohlhoff: Das stimmt. Dies gilt insbesondere für den Spitzensport. Fehler werden immer dann gemacht, wenn der Spieler nicht richtig zum Ball steht. Die Bewegungsverzögerungen zu vermindern, ist das Anliegen jedes Trainings und jedes Spielers/Spielerin. Beim Tischtennis entscheiden Hundertstel Sekunden über den richtigen Stand und das richtige Treffen des Balles. Ein, zwei Punkte pro Satz können entscheidend über Sieg oder Niederlage sein.

myTischtennis.de: Tischtennisspielern fehlt manchmal das Know-How, wie die Beweglichkeit hinter dem Tisch auf natürliche Weise verbessert werden kann. Was meinen Sie?

Helmuth Ohlhoff: Die Bewegung erfolgt immer über die Füße! Die Verwendung des Oberkörpers alleine sorgt für unsicheren Stand und eine erhöhte Fehlerquote. Leider finden die Füße hierbei nicht die Beachtung, die ihnen zukommt. Das rührt daher, dass der Mensch (damit auch der Tischtennisspieler) seine Füße funktional „außer Betrieb“ setzt. Verantwortlich hierfür sind die Schuhe, welche alle mit mehr oder weniger starren Sohlen versehen sind. Diese Sohlen übernehmen durch ihre Inflexibilität die vergleichbare Rolle einer Gipsschiene, die immer dann zum Einsatz kommt, wenn es gilt, einen Knochen (z.B. nach einem Bruch) ruhig zu stellen, um den Heilungsprozess zu fördern.

myTischtennis.de: Was sind die Folgen?

Helmuth Ohlhoff: Zunächst muss erwähnt werden, dass der hochkomplexe und äußerst genial konstruierte Fuß aus 26 Knochen besteht. Ginge es der Natur nur darum, den Fuß in einen Schuh zu packen, hätte sie dafür genau einen Knochen konzipiert. Die Vielzahl der Knochen, Muskeln und Bänder gibt aber klar zu erkennen, dass der Fuß hochkomplexe Aufgaben übernehmen muss, um uneingeschränkte Bewegungen in alle drei Raumrichtungen vollziehen zu können. Deshalb auch ist der Fuß nicht flach gebaut, sondern mit einer Fußwölbung versehen. Wie bei einem geschienten Bein oder Arm wird nicht nur der Knochen ruhigstellt, sondern auch die Muskulatur. Jeder Muskel, der aber nicht mehr benötigt wird, bildet sich zurück und wird vom Körper nicht mehr versorgt. Die Folgen sind hinlänglich bekannt: Plattfuß, Senk-, Spreiz, Knickfuß, Fersensporn, Supination, Pronation, Achillessehnenprobleme etc. Auch Tischtennisspieler setzen somit die Werkzeuge, mit denen sie sich bewegen wollen, die Füße, vermittels der Schuhe zunächst außer Kraft, um anschließend Höchstleistungen zu erbringen. Da nahezu alle sich auf diese Weise bewegen, wird der Unterschied zu einer natürlichen Bewegung nicht deutlich. Signifikant ist der Unterschied bei Kristin Lang zu sehen, die erst mit Anfang 30 und der Umstellung auf das Barfußspielen ihre Bestleistungen mit dem (mittlerweile zweifachen) Gewinn der EM-Golds im Doppel erzielte und bei der WM in Düsseldorf 2017 beste deutsche Einzelspielerin war.

myTischtennis.de: Wie wirken sich ‚herkömmliche‘ Schuhe auf die im Tischtennis so wichtigen Seitwärtsbewegungen aus?

Helmuth Ohlhoff: Da die Füße – und mit ihnen das gesamte Körpergewicht – nahezu fortwährend von einer auf die andere Seite gewuchtet werden, können diese Kräfte mangels funktionierender Fußmuskeln und -bänder nur durch das feste Obermaterial der Schuhe (Schäfte) aufgefangen werden. Dies sind jedoch weitgehend unkontrollierte Bewegungen, die häufig zu einem Wegrutschen und damit zu Verletzungen führen. Auch gehen diese Kräfte zum Teil als Wärmeableitung in den Boden, wirken aber ebenso zurück und werden als Schockwellen in den Körper reflektiert.
Beim durchtrainierten Fuß (barfuß) funktionieren die Abläufe anders. Die Bewegung erfolgt ausschließlich über den Ballen (Vorfuß), die Vorwärts- und Seitwärtsbewegung erfolgt mittels Einsatz der Zehen, die ansonsten in Schuhen weitgehend wirkungslos sind. Die potentielle Kraft der Zehen ist stärker als die entwickelte Kraft der Freeclimber, die in den Felsen u.a. Klimmzüge an einem Finger machen, um dann weiterzuklettern. Diese Kraft ist beim beschuhten Tischtennisspielen nicht vorhanden, auf sie wird unbewusst verzichtet.

myTischtennis.de: Was kann vollentwickelte Fußmuskulatur leisten?

Helmuth Ohlhoff: Sie sorgt mit den Bändern in jeder denkbaren Spielsituation für den nötigen Halt, die erforderliche Schnellkraft, dauerhaft hohe Kondition und damit die bestmögliche Leistung! Wer sich also einen entscheidenden Vorteil im Vergleich zur Konkurrenz verschaffen will bei geringstmöglicher Verletzungsgefahr und optimaler Leistung, kann nur den Weg über die natürliche Bewegung gehen – das Barfußspielen.
Die leguanos als solche bewirken nichts, außer dass die Füße beim Barfußspielen geschützt werden. Das Entscheidende aber ist, dass die Füße in ihrer Entwicklung hin zu größtmöglicher Leistungsfähigkeit nicht mehr behindert werden. Die Natur irrt nie, es ist immer der Mensch, der sich selbst und seine Möglichkeiten einschränkt.

myTischtennis.de: Wie lange dauert es, bis die Fußmuskulatur nach dem Umstieg auf Barfußschuhe vollentwickelt ist?

Helmuth Ohlhoff: Die Vollentwicklung der Fußmuskulatur kann der Umstellung auf das Barfußspielen einige Wochen, ja, je nach Trainingsaufwand, auch Monate dauern kann. Wer diese Zeit investiert, wird mit größerem Erfolg, einer hohen Zufriedenheit und positiven Auswirkungen auf den gesamten Bewegungsapparat belohnt werden. Zur Unterstützung der Umstellung auf das Barfußspielen werden wir im kommenden Frühjahr verschiedene Trainingsanleitungen auf DVD und auf unserer Homepage erstellen.

Weitere Informationen zum Thema Barfußschuhe beim Sport auf: www.leguano.eu

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